{"id":1758,"date":"2017-09-07T09:31:17","date_gmt":"2017-09-07T09:31:17","guid":{"rendered":"http:\/\/ellaraidel.com\/?p=1758"},"modified":"2017-11-06T04:43:10","modified_gmt":"2017-11-06T04:43:10","slug":"tsai-ming-liang-retrospektive","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ellaraidel.com\/?p=1758","title":{"rendered":"Subversive Realit\u00e4ten. Die Filme des Tsai Ming-liang."},"content":{"rendered":"<p><em>Ella Raidel: <\/em><strong><em>Subversive Realit\u00e4ten.<br \/>\nDie Filme des Tsai Ming-liang.<\/em><\/strong><em><br \/>\nSch\u00fcren (Marburg) 2011. 152 S., Paperback,<br \/>\nzahlreiche Abbildungen, <\/em><em>\u20ac 24,90<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ray-magazin.at\/magazin\/2011\/09\/filmbuecher---nahaufnahme-eines-kompromisslosen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nahaufnahme eines Kompromisslosen<\/a>, Ray Filmmagazin<\/p>\n<div class=\"tinymcewysiwyg\">\n<p>Ella Raidel portr\u00e4tiert in ihrem Buch \u201eSubversive Realit\u00e4ten\u201c den gro\u00dfen\u00a0taiwanesischen Filmemacher Tsai Ming-liang.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"tinymcewysiwyg\">\n<p>1992 tauchte ein Regisseur kometenhaft im internationalen Festival-Circuit auf: ein 35-j\u00e4hriger, noch v\u00f6llig unbekannter, aus Malaysia stammender Taiwanese namens Tsai Ming-liang. Sein erster Kinofilm, <em>Rebels of the Neon God<\/em>, war genau so, wie es der Titel versprach: ein pulsierender, vorwiegend n\u00e4chtlicher Ausschnitt aus der modernen Glitzermetropole Taipeh. Stets im Schlepptau hatte Tsai seinen jugendlichen Hauptdarsteller Lee Kang-sheng (in seinen Filmen stets \u201eXiao Kang\u201c, kleiner Kang), einen stoischen, wortkargen jungen Mann, mit dem ihn seit nunmehr gut 25 Jahren eine enge, fast schon symbiotische Beziehung verbindet. Ihr Verh\u00e4ltnis erinnert an das zwischen Fran\u00e7ois Truffaut und seinem \u201eAntoine Doinel\u201c Jean-Pierre L\u00e9aud (siehe auch den DVD-Classic in diesem Heft). Dass Truffaut\/L\u00e9aud Tsais Ikonen sind (L\u00e9aud spielt denn auch in Tsais <em>What Time Is It There?<\/em>, 2001, und in <em>Visage<\/em>, 2009), ist un\u00fcbersehbar, ebenso wie die Tatsache, dass Lee Kang-sheng in allen seinen Filmen die Hauptrolle spielt, wobei \u201espielen\u201c den Sachverhalt nur ungen\u00fcgend trifft. Lee <em>ist<\/em> Xiao Kang, und er folgte seinem Mentor und Regisseur in eine immer vertracktere filmische Welt. Denn wo andere Filmemacher mit wachsendem Festivalerfolg \u201ebreiter\u201c werden, entschloss sich Tsai, \u201espitzer\u201c zu werden. Das Resultat sind \u201eAutorenfilme\u201c reinsten Wassers, ganz im Sinne der Nouvelle Vague, nur deutlich radikaler.<\/p>\n<p>Der Linzer Filmemacherin und Filmwissenschafterin Ella Raidel kommt das Verdienst zu, mit ihrer bei Sch\u00fcren verlegten Dissertation die erste umfassende deutschsprachige Publikation zu diesem gro\u00dfen Regisseur vorgelegt zu haben, und man muss vor allem ihren Zugang bewundern. Sie hat sich nicht auf Ferndiagnosen und Sekund\u00e4rliteratur verlassen, sondern ist nach Taiwan gereist, um sozusagen eine Nahaufnahme des charismatischen, kompromisslosen Mannes einzufangen. Das ist ihr au\u00dferordentlich gut gelungen: Ausgehend von grunds\u00e4tzlichen, sehr kenntnisreichen \u00dcberlegungen zu den thematischen und stilistischen Merkmalen von Tsais Arbeit (wie er es etwa schafft, in hochgradig \u00e4sthetisierten Filmen \u201erealistische\u201c Portr\u00e4ts seiner Figuren und der taiwanesischen Gesellschaft zu zeichnen, wie er es bei aller scheinbaren Distanziertheit seines Blicks zuwege bringt, tiefe Emotionalit\u00e4t zu erzeugen) und einem sehr pers\u00f6nlichen Interview, das von gegenseitiger Sympathie zeugt und einige neue Einsichten bringt, analysiert sie sein Werk Film f\u00fcr Film.<\/p>\n<p>Das ist zwar kein neuer Ansatz, ergibt aber gerade bei Tsai Ming-liang viel Sinn, weil seine Filme sozusagen \u201estep by step\u201c immer wortkarger, immer \u201egeschlossener\u201c werden \u2013 und trotzdem immer unterhaltsamer. Die verquere Komik, immer schon ein Markenzeichen des Filmemachers, hat Tsai etwa in <em>What Time Is It There?<\/em>, in dem Xiao Kang in Taipeh s\u00e4mtliche Uhren auf Pariser Zeit (was sonst?) stellt, zur Meisterschaft gebracht. Raidel widmet sich sorgf\u00e4ltig den vielen Facetten von Tsais Werk, von seinem unerschrockenen Bekenntnis zur Homosexualit\u00e4t (im chinesischen Raum bis heute ein Tabu), \u00fcber seine k\u00fchne Dekonstruktion von Patriarchat und Kleinfamilie bis hinzu seiner Rolle als (sp\u00e4ter) Vertreter des Neuen Taiwanesischen Kinos, dem er \u2013 gemeinsam mit Edward Yang, Wu Nien-jen und Hou Hsiao-Hsien und anderen \u2013 Weltgeltung verschafft hat.\u00a0 Andreas Ungerb\u00f6ck<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ella Raidel: Subversive Realit\u00e4ten. Die Filme des Tsai Ming-liang. 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